ANHANG

I. Dokumente aus der Evangelikalen Bewegung

Dokument Nr. 1: Die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz von 1846

Die Partner, aus denen sich die Allianz zusammensetzt, sollen nur solche Personen sein, die im Hinblick auf die untengenannten Lehren das haben und aufrechthalten, was man gewöhnlich unter einer evangelikalen Überzeugung versteht, nämlich:

1. Die göttliche Inspiration, Autorität und Allgenugsamkeit der Heiligen Schriften.

2. Das Recht und die Pflicht eines persönlichen Urteils in der Auslegung der Heiligen Schriften.

3. Die Einheit der Gottheit und in ihr die Dreiheit der Personen.

4. Die völlige Verderbtheit der menschlichen Natur infolge des Sündenfalls.

5. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes, sein Versöhnungswerk für sündige Menschen, sein Mittleramt als Fürsprecher und seine Königsherrschaft.

6. Die Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben.

7. Das Werk des Heiligen Geistes in der Bekehrung und Heiligung des Sünders.

8. Die Unsterblichkeit der Seele, die Auferstehung des Leibes, das Weltgericht durch unseren Herrn Jesus Christus mit der ewigen Seligkeit der Gerechten und der ewigen Verdammnis der Bösen.

9. Die göttliche Einsetzung des christlichen Predigtamts und die Verbindlichkeit und Beständigkeit der Anordnung von Taufe und Abendmahl.

Es wird jedoch ausdrücklich erklärt, daß diese kurze Zusammenfassung keineswegs in irgendeinem formalen oder kirchlichen Sinn als Glaubensbekenntnis oder Konfession verstanden werden darf; ebensowenig beinhaltet ihre Annahme, daß wir uns das Recht anmaßen, autoritativ die Grenzen christlicher Bruderschaft festzulegen.
Es wird ferner ausdrücklich erklärt, daß in dieser Allianz kein Kompromiß in den Auffassungen irgendeines Gliedes oder Druck auf die eines anderen Gliedes in strittigen Punkten gefordert oder erwartet wird. Sondern alle sollen frei bleiben, ihre Glaubensüberzeugungen nach wie vor aufrechtzuerhalten und zu vertreten mit der nötigen Nachsicht und brüderlicher Liebe.
Es wird nicht beabsichtigt, daß diese Allianz den Charakter einer neuen kirchlichen Organisation annimmt oder anstrebt, indem sie beansprucht, in irgendeiner Weise die Funktionen einer christlichen Kirche auszuüben. Es besteht die feste Überzeugung, daß ihr einfaches und gewichtiges Anliegen erfolgreich vertreten werden kann, ohne daß sie sich in die Ordnung irgendeines Zweiges der christlichen Kirche, zu dem ihre Glieder jeweils gehören, einmischt oder sie stört.


(Quelle: F. Laubach, Aufbruch der Evangelikalen, 101ff.)


Dokument Nr. 2: Die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz von 1972 (Revidierter Text von 1846)

Der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz hat in Übereinstimmung mit dem Präsidium der Europäischen Evangelischen Allianz auf seiner Sitzung am 6. April 1972 in Berlin in Anlehnung an die neue Formulierung der Englischen Evangelischen Allianz folgende Basis angenommen:

Als Mitglieder der Evangelischen Allianz bekennen wir uns zur Offenbarung Gottes in den Schriften des Alten und Neuen Testaments. Wir heben folgende biblische Leitsätze hervor, die wir als grundlegend für das Verständnis des Glaubens ansehen und die uns als Christen zu gegenseitiger Liebe, zu praktischem Dienst und evangelistischem Einsatz eine Hilfe sein sollen.

1. Die Allmacht und Gnade Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in Schöpfung, Offenbarung, Erlösung und Endgericht.

2. Die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift, ihre völlige Zuverlässigkeit und höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung.

3. Die völlige Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen.

4. Das stellvertretende Opfer des menschgewordenen Gottessohnes als einzige und allgenugsame Grundlage der Erlösung von der Schuld und Macht der Sünde und ihren Folgen.

5. Die Rechtfertigung des Sünders allein durch die Gnade Gottes aufgrund des Glaubens an Christus, der gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist.

6. Das Werk des Heiligen Geistes, der Bekehrung und Wiedergeburt des Menschen bewirkt, im Gläubigen wohnt und ihn zur Heiligung befähigt.

7. Das Priestertum aller Gläubigen, die die weltweite Gemeinde bilden, den Leib, dessen Haupt Christus ist, und die durch Seinen Befehl zur Verkündigung des Evangeliums in aller Welt verpflichtet sind.

8. Die Erwartung der persönlichen, sichtbaren Wiederkunft des HErrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit. Das Fortleben der von Gott gegebenen Personalität des Menschen. Die Auferstehung des Leibes zum Gericht und zum ewigen Leben der Erlösten in Herrlichkeit.


(Quelle: Evangelisches Allianzblatt 5/1972, 82)


Dokument Nr. 3: Die Düsseldorfer Erklärung von 1967

"Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?"
Psalm 27,1

Im Jahre des 450. Reformationsgedächtnisses wissen wir uns verpflichtet, den Gemeinden ein theologisches Wort zu sagen und ihnen inmitten kirchlicher Verwirrung eine klare Wegweisung zu bieten. Wir sehen seit langem zunehmend die Grundlage der evangelischen Lehre und Verkündigung durch theologische Meinungen bedroht, welche Schrift und Bekenntnis zuwiderlaufen. Daher dürfen wir nicht schweigen.

Die folgende Erklärung beschränkt sich auf die Mitte des Christusbekenntnisses. Hier fällt die Entscheidung des Glaubens. Mit ihr steht und fällt die Existenz der Kirche.


DER HERR IST MEIN LICHT

1. "Niemand kann Jesus den Herrn heißen ohne durch den Heiligen Geist!" (1 Kor 12,3)
"Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes, es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, denn es muß geistlich verstanden sein!" (1 Kor 2,14)

Wir bekennen das Evangelium, daß Gott, der Heilige Geist, es uns schenkt, dem Zeugnis der Heiligen Schrift zu glauben und in Jesus den Sohn Gottes zu erkennen.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, eine wissenschaftliche Forschung könne die Heilige Schrift ohne diese Gnade des Heiligen Geistes als Gottes Wort und als Urkunde seiner geschehenen Offenbarung sachgemäß verstehen und anerkennen.

2. Jesus Christus spricht: "Wer mich sieht, der sieht den Vater." (aus Joh 14,9)
Jesus Christus spricht: "Niemand kennt den Vater denn nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren." (aus Matth 11,27)

Wir bekennen das Evangelium, daß der ewige Sohn Gottes in dem geschichtlichen Jesus von Nazareth Mensch wurde und zugleich Gott blieb.
Wir bekennen das Evangelium, daß der Sohn Gottes uns seinen Vater als unseren Schöpfer und als unseren Vater offenbart.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, Jesus sei nur bloßer Mensch, und wir könnten auch ohne den Glauben an den Sohn Gottes wissen, wer Gott ist, und mit Gott Gemeinschaft haben.


DER HERR IST MEIN HEIL

3. "Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten!" (aus Jes 53,5)
Jesus Christus spricht: "Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele!" (Mark 10,45)

Wir bekennen das Evangelium, daß Jesus Christus stellvertretend für uns und für die ganze Welt am Kreuz die Strafe für alle unsere Sünde gelitten und damit alle unsere Schuld gesühnt hat.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, Jesus habe sich nicht bewußt für uns geopfert oder es sei der wirkliche Opfertod Jesu Christi zur Versöhnung der Welt nicht notwendig gewesen und es dürfe die Verkündigung vom Sühnetod als eine zeitgebundene Einkleidung der Heilsbotschaft verstanden werden.

4. "Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten!" (1 Kor 15,20)
"Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!" (aus Luk 24,34)

Wir bekennen das Evangelium, daß Gott den am Kreuz gestorbenen Jesus von den Toten leiblich auferweckt und zum Herrn erhöht hat.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, Jesu Leib sei verwest, er sei nur geistig auferstanden und lebe nur unpersönlich in seinem Wort weiter.
Es muß auch die falsche Lehre verworfen werden, die Osterzeugen des Neuen Testamentes hätten ihre Botschaft in mythisch gefärbte Legenden gekleidet oder nicht die Absicht gehabt, die Erscheinungen des Auferstandenen als Grund und Voraussetzung des Glaubens so zu berichten, wie sie wirklich geschehen sind.
Es muß die falsche Lehre verworfen werden, es könne kein Gebet zu Jesus Christus geben.
Es muß die falsche Lehre verworfen werden, es könne eine Nachfolge des Gekreuzigten ohne Bindung an die Person des Auferstandenen geben.

5. "Ihr habt euch bekehrt zu Gott von den Götzen, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, welchen er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet." (aus 1 Thess 1,9 und 10)
"Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt." (2 Petr 3,13)

Wir bekennen, daß der auferstandene Jesus Christus sich selbst vor den Gläubigen und Ungläubigen als universaler Herr und Richter enthüllen und die Welt in einer neuen Schöpfung zur Vollendung führen wird.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, die Erwartung der Wiederkunft Jesu Christi sei sinnlos und allein die diesseitige Welt besitze Realität.


DER HERR IST MEINES LEBENS KRAFT

6. Jesus Christus spricht: "Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe!" (aus Matth 28,20)
"Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus!" (Phil 4,13)

Wir bekennen das Evangelium, daß Jesus Christus den Seinen durch die Vergebung der Sünden und durch die Erneuerung im Geist immer wieder den Mut zur Nachfolge schenkt und die Kraft gibt, seinen Geboten zu gehorchen.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, wir hätten ein Recht, die Gebote Gottes je nach dem Geschmack der Zeit oder einer angeblich wissenschaftlichen Neuerkenntnis abzuändern und so die Richtlinien für unser Handeln selbst zu erfinden.

VOR WEM SOLLTE MIR GRAUEN?

7. Jesus Christus spricht: "Ich sende euch!" (aus Luk 10,3)
"Die Gemeinde des lebendigen Gottes ist ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit." (aus 1 Tim 3,15)

Wir bekennen, daß Jesus Christus seiner Kirche den Auftrag gegeben hat, die großen Taten Gottes ohne Menschenfurcht zu verkündigen. Durch solches Zeugnis werden verlorene Menschen für Zeit und Ewigkeit gerettet.
Wir halten es für ein Mißverständnis des kirchlichen Auftrages, wenn die Gemeinde zum Experimentierfeld für einander widersprechende theologische Meinungen gemacht und wenn in solcher Vielstimmigkeit ihre Freiheit und ihr Reichtum gesehen wird.
Die kirchliche Verkündigung wird unglaubwürdig, wenn Kirchenleitungen Menschen in das Predigtamt berufen, die sich das Evangelium im Sinne der geltenden Bekenntnisse nicht zu eigen machen und das Glaubensbekenntnis mit der Gemeinde nur unter Vorbehalten sprechen können.


"Lasset uns halten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat!" (Hebräer 10,23)


(Quelle: Weg und Zeugnis, 168ff.)

Dokument Nr. 4: Die Frankfurter Erklärung zur Grundlagenkrise der Mission von 1970

"Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!" (1 Kor 9,16)

Die Kirche Jesu Christi hat das heilige Vorrecht und die unabdingbare Verpflichtung, an der Sendung des dreieinigen Gottes in die Welt teilzunehmen. Dadurch soll Sein Name unter allen Völkern verherrlicht, von Seinem zukünftigen Zorn bedrohte Menschen gerettet und zu einem neuen Leben geführt und die Herrschaft Seines Sohnes Jesus Christus in Erwartung Seiner Wiederkunft aufgerichtet werden.
So hat die Christenheit den Sendungsauftrag Christi seit je verstanden und wahrgenommen, wenn auch nicht immer in der gleichen Treue und Klarheit. Die Erkenntnis von der Größe der Aufgabe und von der missionarischen Gesamtverpflichtung der Kirche führte zum Bemühen um die Hineinnahme der Mission in die Landeskirchen und 1961 in den Ökumenischen Rat der Kirchen als dessen Kommission und Abteilung für Weltmission und Evangelisation. Ihr Ziel, laut ihrer Verfassung, ist es, darauf hinzuwirken, "daß das Evangelium von Jesus Christus in der ganzen Welt verkündigt wird, damit alle Menschen an ihn glauben und errettet werden." In dieser Bestimmung sehen wir das apostolische Grundanliegen des Neuen Testamentes, ebenso wie das Sendungsverständnis der Väter der evangelischen Missionsbewegung, zutreffend wiedergegeben.
Heute ist jedoch die organisierte christliche Weltmission in eine tiefe Grundlagenkrise geraten. Daran tragen nicht nur die äußeren Widerstände und unsere erlahmende geistliche Kraft in Kirchen und Missionsgesellschaften Schuld. Gefährlicher ist die Verschiebung ihrer vorrangigen Aufgaben aufgrund einer schleichenden theologischen Verfälschung ihrer Begründung und Zielsetzung.
Durch diese innere Zersetzung bedrängt, sehen wir uns veranlaßt, folgende öffentliche Erklärung abzugeben.
Wir wenden uns damit an alle evangelischen Christen, die sich durch den Glauben an die Erlösung durch Jesus Christus für den Fortgang seines Rettungswerkes an der nichtchristlichen Menschheit verantwortlich wissen. Wir wenden uns an die Leitungen der Kirchen und Gemeinden, denen die weltweite Perspektive ihres geistlichen Auftrages deutlich geworden ist. Wir wenden uns schließlich an alle evangelischen Missionsgesellschaften und ihre übergreifenden Organe, die entsprechend ihrer geistlichen Tradition besonders berufen sind, über die echte Zielsetzung missionarischen Handelns zu wachen.
Wir bitten Sie herzlich und eindringlich, nachfolgende Thesen auf ihre biblische Begründung zu prüfen und festzustellen, in wieweit die abgewehrten Irrtümer und Handlungsweisen der tatsächlichen gegenwärtigen Sachlage in Kirche, Mission und Ökumene entsprechen. Im Falle Ihrer Zustimmung bitten wir Sie, dies durch Ihre Unterschrift zu bekunden und sich in Ihrem Wirkungsbereich mit uns bußfertig und entschlossen für die Geltendmachung dieser Leitsätze einzusetzen.


Sieben unaufgebbare Grundelemente der Mission

1. "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin, und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Matthäus 28,18-20)

Wir erkennen und bezeugen:
Die christliche Mission erfährt ihre Begründung, Zielsetzung, Arbeitsaufgabe und den Inhalt ihrer Verkündigung allein aus dem Auftrag des auferstandenen Herrn Jesus Christus und aus seinem Heilswerk, wie uns beides im Zeugnis der Apostel und der Urchristenheit im Neuen Testament berichtet wird. Mission liegt im Wesen des Evangeliums begründet.
Damit wenden wir uns gegen die heutige Tendenz, Wesen und Aufgabe der Mission aus den gesellschaftspolitischen Analysen unserer Zeit und den Anfragen der nichtchristlichen Menschheit zu bestimmen. Was das Evangelium den heutigen Menschen im tiefsten zu sagen hat, ergibt sich nicht erst in der Begegnung mit ihnen, sondern ist durch das apostolische Zeugnis ein für alle Male normativ vorgegeben. Es bekommt durch die Situation nur einen neuen Aspekt der Anwendung. Die Preisgabe des Schriftprinzips führt zur Konturlosigkeit der Mission und zu ihrer Verwechslung mit einer allgemeinen Weltverantwortung.


2. "Also will ich denn herrlich, heilig und bekannt werden vor vielen Heiden, daß sie erfahren sollen, daß ich der Herr bin." (Hesekiel 38,23)
"Ich will Dir danken, Herr, unter den Heiden und Deinem Namen lobsingen." (Psalm 18,50 und Römer 15,9)

Wir erkennen und bezeugen:
Das erste und oberste Ziel der Mission ist die Verherrlichung des Namens des einen Gottes auf der ganzen Erde und die Kundmachung der Herrschaft Jesu Christi, Seines Sohnes.
Damit wenden wir uns gegen die Behauptung, es ginge in der Mission jetzt nicht mehr so sehr um den Hinweis auf Gott, sondern um das Offenbarwerden des neuen Menschen und die Ausbreitung einer neuen Menschlichkeit in allen gesellschaftlichen Bezügen. Die Humanisierung ist nicht vorrangiges Ziel der Mission, sondern eine Auswirkung unserer Neugeburt durch Gottes Erlösungshandeln in Christus an uns, oder auch ein indirektes Ergebnis der christlichen Verkündigung in ihrer weltgeschichtlichen Durchsäurungskraft.
Die vereinseitigende Ausrichtung des missionarischen Interesses auf den Menschen und seine Gesellschaft führt zum Atheismus.


3. "In keinem andern ist das Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden." (Apostelgeschichte 4,12)

Wir erkennen und bezeugen:
Jesus Christus unser Heiland, wahrer Gott und wahrer Mensch, wie Er uns in der Heiligen Schrift in seinem Persongeheimnis und seinem Heilswerk vor Augen gestellt ist, ist Grund, Inhalt und Autorität unserer Sendung. Ziel dieser Sendung ist es, allen Menschen in allen Lebensbereichen die Gabe Seines Heils bekannt zu machen.
Dadurch fordern wir die Nichtchristen, die ja auf Grund der Schöpfung Gott gehören, zum Glauben an Ihn und zur Taufe auf Seinen Namen auf; denn in Ihm allein ist ihnen ewiges Heil verheißen.
Damit wenden wir uns gegen die seit der 3. Weltkirchenkonferenz zu Neu-Delhi in der Ökumene sich verbreitende falsche Lehre, daß sich Christus anonym auch in den Fremdreligionen, dem geschichtlichen Wandel und den Revolutionen so offenbare, daß Ihm der Mensch ohne die direkte Kunde des Evangeliums hier begegnen und sein Heil in Ihm finden könne.
Wir verwerfen zugleich die unbiblische Beschränkung der Person und des Werkes Jesu auf seine Menschlichkeit und sein sittliches Beispiel. Damit ist die Einzigartigkeit Christi und des Evangeliums zugunsten eines Humanitätsprinzips preisgegeben, das andere auch in anderen Religionen und Weltanschauungen finden können.


4. "Also hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Johannes 3,16)
"So bitten wir nun an Christi Statt: 'Lasset Euch versöhnen mit Gott!' " (2 Korinther 5,20)

Wir erkennen und bezeugen:
Mission ist verkündigende, sakramentale und diakonische Bezeugung und Darbietung des ewigen Heiles in der Stellvertretung Jesu Christi durch Seine Gemeinde und Seine bevollmächtigten Sendboten. Dies Heil beruht auf dem ein für alle Male geschehenen Kreuzesopfer Jesu Christi für die gesamte Menschheit.
Die Zueignung dieses Heiles an die einzelnen Menschen geschieht jedoch erst durch die in die Entscheidung rufende Verkündigung und durch die Taufe, die die Glaubenden in den Dienst der Liebe stellen. Ebenso wie der Glaube in Buße und Taufe das ewige Leben empfängt, führt Unglaube durch seine Ablehnung des Heilsangebotes in die Verdammnis.
Damit wenden wir uns gegen die objektivistische Meinung, als ob in Kreuz und Auferstehung Jesu Christi bereits die ganze Menschheit aller Zeiten neu geboren sei und unabhängig von dem Wissen um das geschichtliche Heilshandeln Gottes und ihren Glauben daran schon Friede mit ihm hätte. Durch solche falsche Auffassung verliert der Evangelisationsauftrag seine Vollmacht und Dringlichkeit. Die unbekehrten Menschen werden in eine verhängnisvolle Sicherheit über ihr ewiges Schicksal gewiegt.


5. "Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Wohltaten des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht." (1 Petrus 2,9)
"Stellet Euch nicht dieser Welt gleich!" (Römer 12,2)

Wir erkennen und bezeugen:
Das vorrangige sichtbare Arbeitsziel der Mission ist die Sammlung der messianischen Heilsgemeinde aus und unter allen Völkern.
Die missionarische Verkündigung soll überall zur Pflanzung der Kirche Jesu Christi führen, die eine neue, ausgegrenzte Wirklichkeit als Salz und Licht in ihrer gesellschaftlichen Umwelt darstellt.
Den Gliedern der Gemeinde schenkt der Heilige Geist durch das Evangelium und die Sakramente das neue Leben und eine geistliche Gemeinschaft mit dem real bei ihnen gegenwärtigen Gott und untereinander, die in Ewigkeit Bestand hat. Aufgabe der Gemeinde ist es, durch ihr Zeugnis auch die Verlorenen, die noch außerhalb ihrer Gemeinschaft leben, zur heilbringenden Gliedschaft am Leibe Christi zu bewegen und das Evangelium als neue Gemeinschaft darzustellen.
Damit wenden wir uns gegen die Anschauung, als ob die Kirche - als Gemeinde Jesu - nur ein Teil der Welt sei. Wir verneinen die Einebnung des seinshaften Unterschiedes zwischen beiden in einen bloß erkenntnismäßigen und funktionalen. Wir bestreiten, daß die Kirche der Welt nichts anderes voraus habe, als allein das Wissen um das zukünftige Heil angeblich aller Menschen.
Wir wenden uns weiter gegen das einseitig verdiesseitigte Heilsverständnis, nach dem Kirche und Welt nur gemeinsam an einer rein sozialen Versöhnung Anteil haben. Das würde zur Selbstauflösung der Kirche führen.


6. "Gedenket daran, daß ihr, die ihr vormals ... Heiden gewesen seid ... zu jener Zeit waret ohne Christus, ausgeschlossen vom Bürgerrecht in Israel und fremd den Testamenten der Verheißung; daher ihr keine Hoffnung hattet und waret ohne Gott in der Welt." (Epheser 2,11-12)

Wir erkennen und bezeugen:
Das Heilsangebot in Christus richtet sich ausnahmslos an alle Menschen, die ihm noch nicht im bewußten Glauben verbunden sind. Die Anhänger fremder Religionen und Weltanschauungen können an diesem Heil nur dadurch Anteil bekommen, daß sie sich von ihren vormaligen Bindungen und ihren falschen Hoffnungen befreien lassen, um durch Glauben und Taufe in den Leib Christi eingegliedert zu werden. Auch Israel soll sein Heil in der Bekehrung zu Jesus Christus finden.
Damit verwerfen wir die Irrlehre, als ob die Religionen und Weltanschauungen auch Heilswege neben dem Christusglauben seien.
Wir bestreiten, daß "christliche Präsenz" unter den Anhängern der Fremdreligionen und wechselseitiger religiöser Austausch mit ihnen im Dialog ein Ersatz für die zur Bekehrung drängende Verkündigung des Evangeliums seien, statt allein eine gute Form missionarischer Anknüpfung. Wir bestreiten, daß die Entlehnung christlicher Ideen, Hoffnungsziele und sozialer Verhaltungsweisen - auch abgesehen von deren ausschließlicher Beziehung auf die Person Jesu Christi - die Fremdreligionen und Ideologien zu einem Ersatz für die Kirche Christi machen können. Sie geben ihnen vielmehr eine synkretistische und damit antichristliche Ausrichtung.


7. "Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reiche der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen." (Matthäus 24,14)

Wir erkennen und bezeugen:
Die christliche Weltmission ist das entscheidende fortschreitende Heilshandeln Gottes unter den Völkern zwischen Auferstehung und Wiederkunft Jesu Christi. Durch die Predigt des Evangeliums werden immer neue Völker und Menschen in die Entscheidung für oder gegen Christus gerufen.
Wenn alle Völker das Zeugnis von ihm gehört und ihre Antwort darauf gegeben haben, wird sich der Konflikt zwischen der Gemeinde Jesu und der Welt unter deren Führung durch den Antichristen aufs bedrängendste zuspitzen. Dann wird der wiederkommende Christus selbst diese Weltzeit abbrechen, die dämonischen Mächte des Bösen unschädlich machen und Sein messianisches Reich sichtbar und uneingeschränkt aufrichten.

Wir verwerfen die unbegründete Behauptung, daß die Zukunftserwartung des Neuen Testamentes durch das Ausbleiben der Wiederkunft Jesu widerlegt worden und darum aufzugeben sei.
Damit verwerfen wir zugleich die schwärmerische Ideologie, als ob entweder unter dem Einfluß des Evangeliums oder unter der anonymen Wirksamkeit Christi in der Weltgeschichte die gesamte Menschheit schon in dieser Weltzeit einem Zustand allgemeinen Friedens und der Gerechtigkeit zugehe und schließlich unter Christus zu einer großen Weltgemeinschaft vereint werden würde.
Wir verwerfen die Ineinssetzung von Fortschritt, Entwicklung und sozialem Wandel mit dem messianischen Heil und ihre fatale Konsequenz, daß Beteiligung an der Entwicklungshilfe und revolutionärer Einsatz in den Spannungsfeldern der Gesellschaft die zeitgenössischen Formen christlicher Mission seien. Diese Ineinssetzung wäre vielmehr die Selbstauslieferung an die schwärmerischen Bewegungen unserer Zeit in Richtung auf deren antichristlichen Fluchtpunkt.

Wir bejahen dagegen das entschlossene Eintreten aller Kirchen für Gerechtigkeit und Frieden und den Entwicklungsdienst als eine zeitgemäße Verwirklichung der göttlichen Forderung nach Barmherzigkeit und Recht sowie des Liebesgebotes Jesu.
Wir sehen darin eine wichtige Begleitung und Beglaubigung der Mission. Wir bejahen auch die humanisierenden Konsequenzen der Bekehrung als zeichenhafte Hinweise auf den kommenden messianischen Frieden.
Wir betonen aber, daß im Unterschied zur ewig gültigen Vergebung im Glauben an das Evangelium all unsere sozialen Errungenschaften und politischen Teilerfolge durch das eschatologische "Noch nicht" des kommenden Reiches und die noch nicht vernichtete Macht der Sünde, des Todes und des Teufels, des "Fürsten dieser Welt", begrenzt werden.
Das setzt unserem missionarischen Dienst seine Prioritäten und stellt ihn in die sich ausstreckende Erwartung Dessen, der uns verheißt:
"Siehe, Ich mache alles neu!" (Offenbarung 21,5)

(Quelle: Weg und Zeugnis, 2O3ff.)


Dokument Nr. 5: Die Berliner Ökumene-Erklärung von 1974: "Freiheit und Gemeinschaft in Christus"

Am Fest der Himmelfahrt unseres Herrn Jesus Christus sind wir, Christen aus verschiedenen europäischen Kirchen, in Berlin zusammengekommen. Wir wissen uns geistlich vereint mit allen Brüdern und Schwestern auf der ganzen Erde, die seinen Namen anrufen.
Gemeinsam bekennen wir: Gott hat seinen Sohn, der um unserer Sünde willen sein Leben am Kreuz als Sühneopfer für uns gab, "von den Toten auferweckt und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft ... nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen; und hat alle Dinge unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles" (Eph 1,20-22).
Jesus wird wiederkommen, wie ihn seine Jünger gen Himmel haben fahren sehen (Apg 1,11).
Diese biblische Botschaft wird heute nicht nur von außen, sondern auch in der Christenheit selbst angefochten und verändert. Das ruft uns zur Wachsamkeit und Unterscheidung der Geister auf:


I. Die Sichtungsstunde der Ökumene
Der erhöhte Christus verheißt seiner Gemeinde in Philadelphia:
"Weil du bewahrt hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die da kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden" (Offb 3,10).

These 1: Der neue Humanismus als antichristliche Versuchung
Unsere Zeit ist eine Sichtungsstunde der Christenheit. Ein widergöttlicher Humanismus, als Vergötzung des Menschen, dringt im Gewande einer scheinchristlichen Theologie weltweit in die Christenheit ein und unterhöhlt das Christusbekenntnis der Kirche.
Jesus sagt: "Wenn ein anderer wird in seinem eigenen Namen kommen, den werdet ihr annehmen" (Joh 5,43b).

These 2: Die neue Polarisierung als unausweichliche Scheidung in den Kirchen
Aufgrund der unterschiedlichen Beurteilung dieses scheinchristlichen Humanismus geht heute ein Riß quer durch die Konfessionen. Weltweit zeichnet sich der Gegensatz zwischen der Gemeinschaft im biblischen Bekenntnis zu Jesus Christus und einer weltverhafteten Ökumene ab.
"Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens" (Joh 6,68).

These 3: Der neue Wächterruf als Gebot der Verantwortung
Beunruhigt durch die Bedrohung des biblischen Glaubens in der Ökumene, gebeugt unter unsere eigene Mitschuld an dieser Entwicklung und bedrängt durch die Verwirrung zahlreicher Christen, die vergeblich nach Hirten ausschauen, sind wir gerufen, ein Wächteramt in der Kirche wahrzunehmen. Schwiegen wir, so träfe uns Gottes Gericht.
Gott spricht zum Propheten Hesekiel: "Du Menschenkind, ich habe dich zum Wächter gesetzt über das Haus Israel. Du sollst aus meinem Munde das Wort hören und sollst sie in meinem Namen warnen" (Hes 3,17).

II. Das Befreiungsprogramm der Ökumene
Paulus schreibt an die Galater: "Mich wundert, daß ihr euch so bald abwenden lasset von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi zu einem anderen Evangelium, obwohl es doch kein anderes gibt, nur daß etliche da sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren" (Gal 1,6-7).

These 4: Wahre Befreiung offenbart die Heilige Schrift allein!
Ein Hauptgegensatz zwischen dem Evangelium und der heutigen "Ökumene" bricht auf an der Frage: Wie verhält sich das Heil in Christus zu den Befreiungsbewegungen? Allein der Gehorsam gegen das Wort Gottes bewahrt uns davor, einem politisch verfälschten Evangelium zu verfallen.
Der Apostel mahnt: "Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und dir vertraut ist, ... weil du von Kind auf die Heilige Schrift weißt, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Jesus Christus" (2 Tim 3,14-15).

These 5: Wahre Befreiung erwarb Jesus Christus allein!
Ökumenische Führer behaupten, daß Jesus Christus heute in den Revolutionen und Fremdreligionen zum Heil der Welt handle. Sie versuchen, diese Irrlehre aus der Schrift zu beweisen. Damit ist der Weltkirchenrat auf dem Wege, Jesus Christus durch sein antichristliches Gegenbild zu ersetzen.
"Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit" (Hebr 13,8).

These 6: Wahre Befreiung vermittelt das Evangelium allein!
Seit Jahren besteht im Ökumenischen Rat der Kirchen die Neigung, die unantastbare Mitte des biblischen Evangeliums, die Vergebung der Sünden, durch den Ruf zur sozialpolitischen Befreiung zu verdrängen. Damit wird, auch wo noch von der Versöhnung mit Gott als deren Voraussetzung gesprochen wird, das Evangelium zur widerchristlichen Ideologie verfälscht.
Der Apostel Paulus verkündet: "Gott aber erweist seine Liebe gegen uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wieviel mehr werden wir durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind!" (Röm 5,8-9).


III. Die Einheitsvision der Ökumene
Der andere Hauptgegensatz zwischen Evangelium und Ökumene bricht heute auf an der Frage: Wie verhält sich das wahre Einssein in Christus zur erstrebten Welteinheitsgemeinschaft? Wir wenden uns gegen die falsche Lehre, daß die Einheit der Kirche ein Schritt auf dem Wege zur allumfassenden Einheit der ganzen Menschheit sei. Diese Lehre verwischt die Scheidelinie zwischen Kirche und Welt und verwechselt das Reich Gottes mit einer humanistisch gefaßten Weltgemeinschaft.
Christus hat gebeten: "Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch sie in uns seien, damit die Welt glaube, du habest mich gesandt" (Joh 17,20 21).
Johannes, der Seher, schaute: "... aber wie Könige werden sie Macht empfangen eine Stunde mit dem Tier. Diese haben einerlei Meinung und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. Sie werden streiten wider das Lamm und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige" (Offb 17,12-14).

These 7: Keine Welteinheitskirche!
Weil die ökumenische Bewegung es bisher nicht vermochte, die Konfessionen auf apostolischer Grundlage zu einigen, erstrebt sie heute zwischen-kirchliche Einigung auf rein organisatorische Weise. Die Bekenntnis- und Wahrheitsfrage wird verdrängt oder formelhaft überspielt. Jünger Jesu aber wissen sich eins in geistlicher Gliedschaft an seinem Leibe.
Der apostolische Ruf zur Einheit lautet: "Seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einerlei Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen" (Eph 4,3-6).

These 8: Keine Welteinheitsreligion!
Der Weltkirchenrat steht an einem schicksalhaften Wendepunkt: Die anfängliche Ökumene der Kirchen droht heute zur Ökumene der Religionen gemacht zu werden. Wir warnen vor der Gefahr einer synkretistischen (die Religionen vermengenden) Welteinheitsreligion.
Die Apostel und Propheten bezeugen: "Wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor der Zeit der Welt zu unserer Herrlichkeit, welche keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; ... Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben" (1 Kor 2,7-9; Jes 64,3).
"Was die Heiden opfern, das opfern sie den bösen Geistern und nicht Gott" (1 Kor 10,20).

These 9: Keine Welteinheitsgemeinschaft!
Die ökumenische Leitidee gipfelt heute in der "utopischen Vision" (Wunschbild) einer mit vereinten menschlichen Kräften zu schaffenden Weltfriedensgemeinschaft aller Rassen, Religionen und Ideologien. Sie verkennt damit die heilsgeschichtlichen Aussagen über das Kommen des Reiches Gottes. Eine weltverhaftete Kirche, die diese Gabe der Wiederkunft Christi eigenmächtig vorwegnehmen will, wird dem Antichrist den Weg bahnen.
Jesus lehrt uns zu unterscheiden: "So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist" (Mark 12,17).
"Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen" (Joh 18,36).


IV. Die Einflußkraft der ideologischen Ökumene
Der Apostel Petrus ermahnt: "Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge. Dem widerstehet, fest im Glauben, und wisset, daß eben dieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen" (1 Petrus 5,8-9).

These 10: Ökumenismus als Irrgeist
Die "utopische Vision", die viele in der Ökumene verzaubert, ist nicht nur eine falsche, vom Menschen erdachte Lehre. Sie ist zugleich eine Geistesmacht (vgl. Luk 4,5-7). Jeden, der sich auf sie einläßt, steckt sie an und verändert fast unbemerkt sein geistliches Bewußtsein.
"Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel!" (Eph 6,10.12).


These 11: Ökumenismus als Eroberungsstrategie
Das ideologisierte "Evangelium" wird mit großem Geschick unter allen Kirchen und christlichen Gemeinschaften der Erde verbreitet. Die "utopische Vision" verlangt, daß sie alle für die Einreihung in die ökumenische Bewegung in Richtung auf eine Welteinheitsgemeinschaft gewonnen werden. Die dabei auf allen Kontinenten zu beobachtenden Methoden erscheinen wie Glieder eines weltumspannenden Gesamtplanes.
"Wir sollen nicht mehr Unmündige sein, wie auf Wellen hin- und hergeworfen und umgetrieben von jedem Wind der Lehre durch das trügerische Spiel der Menschen, durch die Hinterlist der Methoden der Irreführung" (Eph 4,14).


V. Die bekennende Gemeinde antwortet der Ökumene
Christus verheißt uns: "Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme!" (Offb 3,11).

These 12: Geistesunterscheidung und Widerstand, Sammlung und Sendung
In festem Vertrauen auf die großen Verheißungen unseres Herrn für die ihm treu bleibende Gemeinde und mit nüchternem Blick auf ihre schwere Bedrohung durch einen falschen Geist, rufen wir unsere Brüder und Schwestern in aller Welt auf:
Lest eure Bibel, damit ihr Tag um Tag durch das Wort der Wahrheit in Christus eingewurzelt werdet!
Erkennt die geistliche Gefahr, die heute durch die Verfremdung des Evangeliums auch in Gestalt der ökumenischen Bewegung auf euch zukommt!
Fordert eure Kirchen und Missionsleitungen auf, dieser Entstellung des Glaubens öffentlich entgegenzutreten!
Vereint euch in weltweiter Bruderschaft des Glaubens, der Fürbitte und des Bekenntnisses!
Bezeugt der Welt das wahre Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat, bis er wiederkommt (Matth 24,14).


In diesem Zusammenrücken, im Hören auf das Wort, im Gebet, in der Liebe und im Leiden schauen wir mit freudiger Erwartung dem wiederkommenden Herrn entgegen.

ER ist treu, ER wird euch stärken und bewahren vor dem Argen (2 Thess 3,3).
ER wird als der eine Hirte kommen, um seine Herde aus der Zerstreuung zu sammeln (Joh 10,16; 11,52; Matth 24,30-31).

Ihm sei Lob und Preis in Ewigkeit! Amen.


(Quelle: Informationsbrief der Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium" Nr. 50, S. 25ff. - Neben der hier abgedruckten Kurzfassung gibt es noch eine Langfassung der Berliner Ökumene-Erklärung, in die ein Verweissystem eingearbeitet ist, das die in der Erklärung aufgestellten Behauptungen mit Dokumenten aus der Ökumenischen Bewegung belegt. Die Langfassung findet sich in: Künneth/Beyerhaus (Hg.), Reich Gottes oder Weltgemeinschaft?, 16ff. und Weg und Zeugnis, 231ff.)


Dokument Nr. 6: Die Lausanner Verpflichtung von 1974

Einleitung
Wir, Glieder der Gemeinde Jesu Christi aus mehr als 150 Nationen, Teilnehmer am Internationalen Kongreß für Weltevangelisation in Lausanne, loben Gott, weil Er sein Heil geschenkt hat, und freuen uns an der Gemeinschaft, die Er uns mit Ihm und untereinander schenkt. Gottes Wirken in unserer Zeit bewegt uns tief. Unser Versagen führt uns zur Buße. Die unvollendete Aufgabe der Evangelisation fordert uns heraus. Wir glauben, daß das Evangelium Gottes gute Nachricht für die ganze Welt ist. Durch Seine Gnade sind wir entschlossen, dem Auftrag Jesu Christi zu gehorchen, indem wir Sein Heil der ganzen Menschheit verkündigen, um alle Völker zu Jüngern zu machen. Darum wollen wir unseren Glauben und unseren Entschluß bekräftigen und unserer Verpflichtung öffentlich Ausdruck geben.


1. Der Plan Gottes
Wir bekräftigen unseren Glauben an den einen, ewigen Gott, Schöpfer und Herrn der Welt, Vater, Sohn und Heiliger Geist, der alle Dinge nach dem Ratschluß Seines Willens regiert. Er hat Sein Volk aus der Welt herausgerufen und sendet es zurück in die Welt, damit sie Seine Diener und Zeugen sind. Er hat sie zur Ausbreitung Seines Reiches, zur Erbauung des Leibes Christi und zur Verherrlichung Seines Namens herausgerufen. Wir bekennen und bereuen, daß wir unserer Berufung oft untreu gewesen sind und unseren Auftrag nicht erfüllt haben, indem wir uns der Welt anpaßten oder uns von ihr zurückzogen. Doch freuen wir uns daran, daß das Evangelium, selbst wenn es in irdenen Gefäßen gefaßt ist, ein kostbarer Schatz ist. Erneut übernehmen wir die Aufgabe, diesen Schatz durch die Kraft des Heiligen Geistes bekanntzumachen.
(Jes 40,28; Matth 28,19; Eph 1,11; Apg 15,14; Joh 17,6.18; Eph 4,12; 1 Kor 5,10; Römer 12,2; 2 Kor 4,7)


2. Die Autorität der Bibel
Wir bekräftigen die göttliche Inspiration, die gewißmachende Wahrheit und Autorität der alt- und neutestamentlichen Schriften in ihrer Gesamtheit als das einzige geschriebene Wort Gottes. Es ist ohne Irrtum in allem, was es verkündigt, und ist der einzige unfehlbare Maßstab des Glaubens und Lebens. Wir bekennen zugleich die Macht des Wortes Gottes, Seinen Heilsplan zu verwirklichen. Die Botschaft der Bibel ist an die ganze Menschheit gerichtet, denn Gottes Offenbarung in Christus und in der Heiligen Schrift ist unwandelbar. Der Heilige Geist spricht noch heute durch diese Offenbarung. Er erleuchtet den Geist Seines Volkes in allen Kulturen. So erkennen sie Seine Wahrheit immer neu mit ihren eigenen Augen. Der Heilige Geist enthüllt der ganzen Gemeinde mehr und mehr die vielfältige Weisheit Gottes.
(2 Tim 3,16; 2 Petr 1,21; Joh 10,35; Matth 5,17f.; Eph 1,17f.; 3,10.18)


3. Einzigartigkeit und Universalität Jesu Christi
Wir bekräftigen: Es gibt nur einen Erlöser und nur ein Evangelium, jedoch eine große Vielfalt evangelistischer Arbeitsweisen. Zwar wissen wir, daß alle Menschen aus der allgemeinen Offenbarung in der Natur Gott erkennen können, aber wir bestreiten, daß sie dies erretten kann, denn sie unterdrücken die Wahrheit durch Ungerechtigkeit. Als Herabsetzung Jesu Christi und des Evangeliums lehnen wir jeglichen Synkretismus ab und jeden Dialog, der vorgibt, daß Jesus Christus gleichermaßen durch alle Religionen und Ideologien spricht. Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, hat sich selbst als die einzige Erlösung für Sünder dahingegeben. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und Menschen. Es ist auch kein anderer Name, durch den wir gerettet werden. Alle Menschen gehen an ihrer Sünde verloren. Gott aber liebt alle. Er will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. Wer aber Jesus Christus ablehnt, verschmäht die Freude des Heils und verdammt sich selbst zur ewigen Trennung von Gott. Wenn Jesus als der "Erlöser der Welt" verkündigt wird, so heißt das nicht, daß alle Menschen von vornherein oder am Ende doch noch gerettet werden. Man kann erst recht nicht behaupten, daß alle Religionen das Heil in Christus anbieten. Vielmehr muß Gottes Liebe einer Welt von Sündern verkündigt werden. Alle Menschen sind eingeladen, Ihn in persönlicher Hingabe durch Buße und Glauben als Heiland und Herrn anzuerkennen. Jesus Christus ist erhöht über alle Namen. Wir sehnen uns nach dem Tag, an dem sich aller Kniee vor Ihm beugen und alle Zungen bekennen, daß Er der Herr sei.
(Gal 1,6-9; Joh 1,9; Apg 17,26-28; 1 Tim 2,5f.; Apg 4,12; 2 Petr 3,9; 1 Tim 2,3f.; Joh 3,16 19; 4,42; Phil 2,9-11)


4. Wesen der Evangelisation
Evangelisieren heißt, die gute Nachricht zu verbreiten, daß Jesus Christus für unsere Sünden starb und von den Toten auferstanden ist nach der Schrift und daß Er jetzt die Vergebung der Sünden und die befreiende Gabe des Geistes all denen anbietet, die Buße tun und glauben. Für Evangelisation ist unsere Präsenz als Christen in der Welt unerläßlich, ebenso eine Form des Dialogs, die durch einfühlsames Hören zum Verstehen des anderen führt. Evangelisation ist ihrem Wesen nach die Verkündigung des historischen, biblischen Christus als Heiland und Herrn. Ziel ist es, Menschen zu bewegen, zu Ihm persönlich zu kommen und so mit Gott versöhnt zu werden. Wer die Einladung des Evangeliums ausspricht, darf nicht verschweigen, daß Nachfolge etwas kostet. Jesus ruft alle, die Ihm nachfolgen möchten, auf, sich selbst zu verleugnen, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und sich mit Seiner neuen Gemeinschaft zu identifizieren. Das Ergebnis der Evangelisation schließt Gehorsam gegenüber Jesus Christus, Eingliederung in Seine Gemeinde und verantwortlichen Dienst in der Welt ein.
(1 Kor 15,3f.; Apg 2,28; Joh 20,21; 2 Kor 4,5; 5,11; Apg 2,47; Mark 10,43-45)


5. Soziale Verantwortung der Christen
Wir bekräftigen, daß Gott zugleich Schöpfer und Richter aller Menschen ist. Wir müssen deshalb Seine Sorge um Gerechtigkeit und Versöhnung in der ganzen menschlichen Gesellschaft teilen. Sie zielt auf die Befreiung der Menschen von jeder Art von Unterdrückung. Da die Menschen nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, besitzt jedermann, ungeachtet seiner Rasse, Religion, Farbe, Kultur, Klasse, seines Geschlechts oder Alters, eine angeborene Würde. Darum soll er nicht ausgebeutet, sondern anerkannt und gefördert werden. Wir tun Buße für dieses unser Versäumnis und dafür, daß wir manchmal Evangelisation und soziale Verantwortung als sich gegenseitig ausschließend angesehen haben. Versöhnung zwischen Menschen ist nicht gleichzeitig Versöhnung mit Gott, soziale Aktion ist nicht Evangelisation, politische Befreiung ist nicht Heil. Dennoch bekräftigen wir, daß Evangelisation und soziale wie politische Betätigung gleichermaßen zu unserer Pflicht als Christen gehören. Denn beide sind notwendige Ausdrucksformen unserer Lehre von Gott und dem Menschen, unserer Liebe zum Nächsten und unserem Gehorsam gegenüber Jesus Christus. Die Botschaft des Heils schließt eine Botschaft des Gerichts über jede Form der Entfremdung, Unterdrückung und Diskriminierung ein. Wir sollen uns nicht scheuen, Bosheit und Unrecht anzuprangern, wo immer sie existieren. Wenn Menschen Christus annehmen, kommen sie durch Wiedergeburt in Sein Reich. Sie müssen versuchen, Seine Gerechtigkeit nicht nur darzustellen, sondern sie in einer ungerechten Welt auch auszubreiten. Das Heil, das wir für uns beanspruchen, soll uns in unserer gesamten persönlichen und sozialen Verantwortung verändern. Glaube ohne Werke ist tot.
(Apg 17,26.31; 1 Mose 18,25; Jes 1,17; Ps 45,7; 1 Mose 1,26f.; Jak 3,9; 3 Mose 19,18; Luk 6,27.35; Jak 2,14-26; Joh 3,3.5; Matth 5,20; 6,33; 2 Kor 3, 18; Jak 2,20)


6. Gemeinde und Evangelisation
Wir bekräftigen, daß Jesus Christus Seine erlöste Gemeinde in die Welt sendet, wie der Vater Ihn gesandt hat. Das erfordert, daß wir ebenso tief und aufopfernd die Welt durchdringen. Wir müssen aus unseren kirchlichen Ghettos ausbrechen und in eine nichtchristliche Gesellschaft eindringen. Bei der Sendung der Gemeinde zum hingebungsvollen Dienst steht Evangelisation an erster Stelle. Die Evangelisation der Welt verlangt, daß die ganze Gemeinde der ganzen Welt das ganze Evangelium bringt. Die Gemeinde bildet die Mitte des weltumfassenden Planes Gottes und ist sein auserwähltes Werkzeug zur Verbreitung des Evangeliums. Eine Gemeinde, die das Kreuz predigt, muß selber durch das Kreuz geprägt sein. Eine Gemeinde wird zum ernsthaften Hindernis der Evangelisation, wenn sie das Evangelium preisgibt, in keinem wirklich lebendigen Verhältnis zu Gott steht, die Menschen zu wenig liebhat und ihr auch in jeder Hinsicht, einschließlich Werbung und Finanzangelegenheiten, Lauterkeit fehlt. Die Gemeinde ist nicht so sehr Institution, als vielmehr die Gemeinschaft des Volkes Gottes und darf mit keiner bestimmten Kultur, keinem sozialen oder politischen System, keiner von Menschen gemachten Ideologie gleichgesetzt werden.
(Joh 17,18; 20,21; Matth 20,19f.; Apg 1,8; 20,27; Eph 1,9f.; 3,9-11; Gal 6,14.17; 2 Kor 6,3f.; 2 Tim 2,19-21; Phil 1,27)


7. Zusammenarbeit in der Evangelisation
Wir bekräftigen, daß die sichtbare Einheit der Gemeinde in Wahrheit Gottes Ziel ist. Evangelisation ruft uns auch zur Einheit auf, weil unsere Uneinigkeit das Evangelium der Versöhnung untergräbt. Wir stellen jedoch fest, daß es organisatorische Einheit in vielen Formen geben kann, dadurch aber nicht unbedingt die Evangelisation gefördert wird. Wir aber, die wir den gleichen biblischen Glauben haben, sollen uns eng in Gemeinschaft, Dienst und Zeugnis vereinen. Wir bekennen, daß unser Zeugnis manchmal durch sündhaften Individualismus und unnötige Überschneidung beeinträchtigt wurde. Wir verpflichten uns, eine tiefere Einheit in Wahrheit, Anbetung, Heiligung und Sendung zu suchen. Wir drängen auf die Entwicklung regionaler und funktionaler Zusammenarbeit, um die Sendung der Gemeinde, die strategische Planung, die gegenseitige Ermutigung, die gemeinsame Nutzung der Mittel und Erfahrungen voranzutreiben.
(Joh 17,21.23; Eph 4,3f.; Joh 13,35; Phil 1,27; Joh 17,11-23)


8. Gemeinden in evangelistischer Partnerschaft
Wir freuen uns, daß ein neues Zeitalter der Mission angebrochen ist. Die beherrschende Stellung westlicher Missionen schwindet zusehends. Gott hat in den jungen Kirchen eine große neue Quelle der Weltevangelisation entstehen lassen und zeigt damit, daß die Verantwortung für die Evangelisation dem ganzen Leib Christi zukommt. Jede Gemeinde soll daher Gott und sich selbst fragen, was sie tun muß, um nicht nur in ihrem eigenen Bereich zu wirken, sondern auch Missionare in andere Teile der Welt zu entsenden. Eine neue Überprüfung unserer missionarischen Verantwortung und Aufgabe soll ständig vollzogen werden. Auf diese Weise wächst die Partnerschaft der Gemeinden, und der weltweite Charakter der einen Gemeinde Christi wird deutlicher hervortreten. Wir danken Gott für die Werke, die sich um die Übersetzung der Bibel, um theologische Ausbildung, Massenmedien, christliche Literatur, Evangelisation, Mission, Erneuerung der Gemeinde und andere Aufgabenbereiche bemühen. Auch sie sollen sich in ständiger Überprüfung fragen, ob ihre Wirksamkeit als Bestandteil der Sendung der Gemeinde gelten kann.
(Römer 1,8; Phil 1,5; 4,15; Apg 13,1-3; 1 Thess 1,6-8)


9. Dringlichkeit der evangelistischen Aufgabe
Über 2,7 Milliarden Menschen, mehr als zwei Drittel der Menschheit, müssen noch mit dem Evangelium bekanntgemacht werden. Wir schämen uns, daß so viele vernachlässigt wurden; das ist ein ständiger Vorwurf gegen uns und die ganze Kirche. Jedoch ist jetzt in vielen Teilen der Welt eine beispiellose Aufnahmebereitschaft für den Herrn Jesus Christus zu erkennen. Wir sind überzeugt, daß jetzt die Zeit für Gemeinden und übergemeindliche Werke gekommen ist, ernsthaft für das Heil der bisher nicht Erreichten zu beten und neue Anstrengungen für Weltevangelisation zu unternehmen. In einem Land, das das Evangelium gehört hat, kann es bisweilen notwendig sein, Missionare und Geld aus dem Ausland zu reduzieren, um den Gemeinden im Land die Möglichkeit zum selbständigen Wachstum zu geben und um Hilfen für Gebiete, die das Evangelium noch nicht gehört haben, freizusetzen. Missionare sollen in zunehmendem Maße von allen Kontinenten in alle Kontinente im Geist demütigen Dienstes ungehindert gehen. Ziel soll sein, alle verfügbaren Mittel zu benutzen, so früh wie möglich jedem die Gelegenheit zu geben, die gute Nachricht zu hören, zu verstehen und anzunehmen. Ohne Opfer werden wir dieses Ziel nicht erreichen. Die Armut von Millionen erschüttert uns alle. Wir sind verstört über die Ungerechtigkeit, die diese Armut verursacht. Wer im Wohlstand lebt, muß einen einfachen Lebensstil entwickeln, um großzügiger zur Hilfe und Evangelisation beizutragen.
(Joh 9,4; Matth 9,35-38; Römer 9,1-3; 1 Kor 9,19-23; Mark 16,15; Jes 58,6f.; Jak 1,27; 2,1-9; Matth 25,31-46; Apg 2,44f.; 4,34f.)


10. Evangelisation und Kultur
Die Entwicklung von Strategien zur Weltevangelisation erfordert bei der Wahl der Methoden Einfallsreichtum. Mit Gottes Hilfe werden Gemeinden entstehen, die in Jesus Christus fest gegründet und eng mit ihrer kulturellen Umwelt verbunden sind. Jede Kultur muß immer wieder von der Schrift her geprüft und beurteilt werden. Weil der Mensch Gottes Geschöpf ist, birgt seine Kultur Schönheit und Güte in reichem Maße. Weil er aber gefallen ist, wurde alles durch Sünde befleckt. Manches geriet unter dämonischen Einfluß. Das Evangelium gibt keiner Kultur den Vorrang, sondern beurteilt alle Kulturen nach seinem eigenen Maßstab der Wahrheit und Gerechtigkeit und erhebt absolute ethische Forderungen gegenüber jeder Kultur. Missionen haben allzuoft mit dem Evangelium eine fremde Kultur exportiert, und Gemeinden waren mitunter mehr an eine Kultur als an die Schrift gebunden. Evangelisten Christi müssen demütig danach trachten, sich selbst zu verleugnen, ohne ihre Persönlichkeit preiszugeben, um Diener anderer werden zu können. Die Gemeinden sollen Kultur umgestalten und bereichern, damit Gott verherrlicht wird.
(Mark 7,8f.13; 1 Mose 4,21f.; 1 Kor 9,19-23; Phil 2,5-7; 2 Kor 4,5)


11. Ausbildung und Gemeindeleitung
Wir bekennen, daß wir manchmal das Wachstum der Gemeinde auf Kosten ihrer Vertiefung betrieben haben und Evangelisation an den Fernstehenden von der geistlichen Stärkung der Gemeinde getrennt haben. Wir geben auch zu, daß einige unserer Missionswerke zu lange gezögert haben, einheimische Führungskräfte zuzurüsten und zu ermutigen, die ihnen zustehende Verantwortung zu übernehmen. Daher bejahen wir den Grundsatz der Eigenständigkeit und streben an, daß jede Gemeinde einheimische Leiter hat, die christlichen Führungsstil verwirklichen, der sich nicht im Herrschen, sondern im Dienen zeigt. Wir erkennen die Notwendigkeit, die theologische Ausbildung, insbesondere für diejenigen, die die Gemeinde leiten sollen, zu verbessern. In jedem Volk und in jeder Kultur sollte es ein wirkungsvolles Ausbildungsprogramm für Pastoren und Laien in Glaubenslehre, Nachfolge, Evangelisation, Erbauung und Dienst geben. Ein solches Ausbildungsprogramm sollte sich nicht auf schablonenhafte Methodik verlassen, sondern durch schöpferische, einheimische Initiative nach biblischen Maßstäben entwickelt werden.
(Kol 1,27f.; Apg 14,23; Titus 1,5.9; Mark 10,42-45; Eph 4,11f.)


12. Geistliche Auseinandersetzung
Wir glauben, daß wir uns in einem ständigen geistlichen Kampf mit den Fürsten und Gewaltigen des Bösen befinden, die versuchen, die Gemeinde zu überwältigen und sie an ihrer Aufgabe der Evangelisation der Welt zu hindern. Wir erkennen die Notwendigkeit, uns mit der Waffenrüstung Gottes zu versehen und diesen Kampf mit den geistlichen Waffen der Wahrheit und des Gebetes zu führen. Denn wir entdecken die Aktivität des Feindes nicht allein in falschen Ideologien außerhalb der Gemeinde, sondern gleichermaßen in der Gemeinde durch die Verkündigung eines anderen Evangeliums, das die Schrift verkehrt und den Menschen an die Stelle Gottes setzt. Wir müssen wachsam sein und die Geister unterscheiden, um die biblische Botschaft zu gewährleisten. Wir geben zu, daß wir selber nicht immer gegen die Weltlichkeit in unseren Gedanken und Taten immun sind, so daß wir uns dem Säkularismus ausliefern. Obwohl, um ein Beispiel zu nennen, sorgfältige Untersuchungen über zahlenmäßiges und geistliches Wachstum der Gemeinde richtig und wertvoll sind, haben wir sie manchmal nicht beachtet. Manchmal haben wir unsere Botschaft verwässert und durch Manipulation unsere Zuhörer unter Druck gesetzt, um für das Evangelium einen Erfolg zu erzielen. Wir haben zu großen Wert auf Statistiken gelegt und diese Unterlagen sogar unlauter benutzt. All dies ist weltlich. Die Gemeinde muß in der Welt leben, aber die Welt darf die Gemeinde nicht beherrschen.
(Eph 6,12; 2 Kor 4,3f.; Eph 6,11.13-18; 2 Kor 10,3-5; 1 Joh 2,18-26; 4,1-3; Gal 1,6-9; 2 Kor 2,17; 4,2; Joh 17,15)
13. Freiheit und Verfolgung
Es ist Gottes Auftrag für jede Regierung, die Bedingungen für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit zu gewährleisten, unter denen die Gemeinde Gott gehorchen, dem Herrn Christus dienen und das Evangelium ohne Beeinträchtigung verkünden kann. Deshalb beten wir für die, die in den Nationen Verantwortung tragen und appellieren an sie, die Freiheit der Gedanken und des Gewissens zu garantieren und die Freiheit zur Ausübung und Ausbreitung der Religion in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes zu gewährleisten, wie dies in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt ist. Zugleich bringen wir unsere tiefe Sorge für all diejenigen zum Ausdruck, die unrechtmäßig in Gefangenschaft sind, besonders für unsere Brüder, die wegen ihres Zeugnisses für ihren Herrn Jesus leiden. Wir geloben, für ihre Freiheit zu beten und zu wirken. Ebenso weigern wir uns, uns durch ihr Schicksal einschüchtern zu lassen. Gott möge uns helfen, daß auch wir uns gegen Ungerechtigkeit auflehnen und dem Evangelium treu bleiben, was immer es koste. Wir vergessen die Warnung Jesu nicht, daß Verfolgung unausweichlich ist.
(1 Tim 1,1-4; Apg 4,19; 5,29; Kol 3,24; Hebr 13,1-3; Luk 4,18; Gal 5,11; 6,12; Matth 5,10 12; Joh 15,18-21)


14. Die Kraft des Heiligen Geistes
Wir glauben an die Kraft des Heiligen Geistes. Der Vater sandte Seinen Geist zum Zeugnis für Seinen Sohn; ohne Sein Zeugnis ist unser Zeugnis vergeblich. Erkenntnis der Sünde, Glaube an Christus, Wiedergeburt und Wachstum im Glauben sind Sein Werk. Der Heilige Geist ist ein missionarischer Geist. Evangelisation soll deshalb aus der geisterfüllten Gemeinde wie von selbst erwachsen. Wenn eine Gemeinde keine missionarische Gemeinde ist, widerspricht sie sich selbst und dämpft den Geist. Weltweite Evangelisation vermag nur dann eine Chance der Verwirklichung zu finden, wenn der Heilige Geist die Gemeinde in Wahrheit und Weisheit, in Glaube und Heiligung, in Liebe und Vollmacht erneuert. Wir rufen deshalb alle Christen auf, um ein gnädiges Kommen des souveränen Geistes Gottes zu beten, daß alle seine Gaben den Leib Christi bereichern. Nur dann wird die ganze Gemeinde ein taugliches Werkzeug in Seiner Hand sein, damit die ganze Welt seine Stimme hört.
(1 Kor 2,4; Joh 15,26f.; 16,8-11; 1 Kor 12,3; Joh 3,6-8; 2 Kor 3,18; Joh 7,37-39; 1 Thess 5,19; Apg 1,8; Ps 85, 4-7; 67,1-3; Gal 5,22f.; 1 Kor 12,4-31; Römer 12,3-8)


15. Wiederkunft Christi
Wir glauben, daß Jesus Christus persönlich und sichtbar in Macht und Herrlichkeit wiederkommen wird, Heil und Gericht zu vollenden. Die Verheißung Seines Kommens ist ein weiterer Ansporn für unsere Evangelisation, denn wir gedenken Seiner Worte, daß die Botschaft zuerst allen Völkern verkündigt werden muß. Wir glauben, daß die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Seiner Wiederkunft von der Sendung des Volkes Gottes gefüllt werden muß. Wir haben kein Recht, die Mission vor dem Ende der Zeiten abzubrechen. Wir erinnern uns an Seine Warnungen, daß falsche Christusse und falsche Propheten sich als Vorläufer des Antichristen erheben werden. Deshalb widerstehen wir dem stolzen Traum, daß die Menschheit jemals Utopia auf Erden bauen kann. Unser christlicher Glaube ruht darin, daß Gott Sein Reich vollenden wird, und wir blicken erwartungsvoll auf den Tag, an dem ein neuer Himmel und eine neue Erde sein werden, in denen Gerechtigkeit wohnt und Gott für immer regiert. Bis dahin verpflichten wir uns zum Dienst für Christus und die Menschen in freudiger Hingabe an Seine Herrschaft über unser ganzes Leben.
(Mark 14,62; Hebr 9,28; Mark 13,10; Apg 1,8-11; Matth 28,20; Mark 13,21-23; Joh 2,18; 4,1 3; Luk 12,32; Offb 21,1-5; 2 Petr 3,13; Matth 28,18)


Verpflichtung
Deshalb verpflichten wir uns, im Licht dieses unseres Glaubens und unserer Entscheidung feierlich vor Gott und voreinander, für die Evangelisation der ganzen Welt zusammen zu beten, zu planen und zu wirken. Wir rufen andere auf, sich uns anzuschließen. Möge Gott uns durch Seine Gnade helfen, damit wir zu Seiner Ehre dieser unserer Verpflichtung treu bleiben.
Amen.


(Quelle: Alle Welt soll sein Wort hören, Bd. 1, 9ff.)